Herbstessen des VLSp am 9. November 2018 in der Schiffergesellschaft zu Lübeck

Impulsvortrag über „Aktuelle Herausforderungen des Arbeitsmarktes“

Die Probleme der Spediteure und Logistikunternehmen sind bekannt: Fachkräfte für freie Stellen im Betrieb sind schwer zu bekommen und für die vakanten Ausbildungsplätze gibt es branchenübergreifend zu wenig Bewerber. Und das, trotz der großen Bandbreite an Tätigkeiten des komplexen Berufsfeldes, das durch steigende - in der Hauptsache digitale - Anforderungen viele Fähigkeiten und Kenntnisse verlangt. Um dazu neue Gedanken und Ideen zu bekommen, lud der VLSp in diesem Jahr Volker Seubert aus Hamburg zu seinem traditionellen Herbstessen in die „Schiffergesellschaft“ zu Lübeck ein.

Bis 2050 werden 50 Prozent der Erwerbstätigen aus den Reihen der so genannten „Millenials“ oder „Generation Y“ - den heute Anfang 20 bis Ende 30-Jährigen – kommen (ab Geburtsjahr 1980). Volker Seubert, der 20 Jahre Erfahrung im Recruiting und Personal-Management hat, ging auf die veränderten Bedürfnisse und Ansprüche junger Azubis und Arbeitnehmer ein, denen sich die Betriebe im Personalwettbewerb anpassen müssen. Denn problemlos können schon heute in Branchen wie Spedition und Logistik keine Stellen mehr besetzt werden.

„Wir tun uns in allen Bereichen schwer, Fachkräfte zu finden, denn junge Menschen haben die Logistik als Beruf nicht auf dem Schirm - sie müssen wir begeistern“, hatte es VLSp-Vorsitzender Paul-Jörg Wildförster in seiner Begrüßung auf den Punkt gebracht. Laut eines „Stimmungsbarometers „Fachkräftemangel“ der Bundesvereinigung für Logistik (BLV) aus 2018 bleiben 48 Prozent der Stellen zum Teil unbesetzt, sind neun Prozent der Stellen nur mit Abstrichen bei der Qualifikation der Bewerber zu besetzen und werden lediglich 43 Prozent geeignete Bewerber nach intensiver Suche in auch längeren Zeiträumen gefunden.

Zentraler Punkt „Ausreichende Entlohnung“

Die Gründe hierfür sind laut selbiger Umfrage zu je 15 Prozent ein schlechtes Image der Bereiche Supply Chain Management (SCM) und Logistik sowie mangelnde Kenntnisse über die Berufsmöglichkeiten in diesem Bereich. Hauptursache aber seien mit 64 Prozent nicht ausreichende Arbeitsbedingungen und/oder Bezahlung in Logistik und SCM. „Die Jungen wollen Geld verdienen und sie haben Ansprüche an Qualität und Inhalte ihrer Arbeit und ihrem Arbeitsumfeld“, so Seubert.

Aspekte der so genannten Work Life Balance müssen demnach von modernen Arbeitgebern beachtet werden. Der Wunsch nach ausreichender Zeit für Familie und Freizeitaktivitäten ist heute ungleich stärker ausgeprägt als in früheren Zeiten. „Ein Vater möchte sein Kind abends vom Kindergarten abholen“, so Seubert. In der Praxis bedeutet dies für Unternehmen flexible, auf seine Arbeitnehmer zugeschnittene Arbeitsplätze mit einer „leistungsorientierten Entlohnung“.

Junge Arbeitnehmer haben Ansprüche

Auch Aspekte wie Rückmeldungen von Vorgesetzten und Leistungsanerkennung sind jungen Arbeitnehmern wichtig. „Wir haben in Deutschland oft noch eine Kultur des Kritisierens statt Lobens“, so Seubert. Des Weiteren wichtig sind Team- und Gruppenarbeit, die Übertragung von Verantwortung auch für Teilbereiche des gesamten Arbeitsprozesses sowie die Möglichkeit zu Fort- und Weiterbildung. Und engagiert sich ein Unternehmen sozial, stärkt das seine Reputation und Attraktivität für Mitarbeiter und Jobsuchende. Um diese zu erreichen sollten heutzutage natürlich auch die Sozialen Medien genutzt werden.

Für die Ausbildung gilt: Azubis wollen etwas lernen und ausgebildet werden. Auf Bewerbungen sollte möglichst innerhalb von 24 Stunden reagiert werden. Seubert riet außerdem allen Chefs, sich im Sinne einer guten Beziehung zu den Mitarbeitern darum zu bemühen, „Probleme und Unzufriedenheit rechtzeitig zu erkennen“.

Neue Wege bei der Personalakquise

Abschließend zeigte Seubert einige besondere Initiativen von Unternehmen, die Fachkräfte und/oder Azubis suchten. So hatte die medienwirksame, öffentliche Aktion einer Firma, die mitten in Berlin einen Porsche an einen Kran hing und dazu eine Umfrage startete, mit der eigentlichen Personalsuche nichts zu tun, brachte dem Unternehmen aber die gewünschte Aufmerksamkeit. Oder das Angebot, sich gleich per Telefon ohne Bewerbungsmappe einen Ausbildungsplatz zu sichern sowie der Zusammenschluss von Firmen einer Branche zu einer Ausbildungsinitiative sind kreative Wege der Personalakquise.

Zum situationsübergreifenden Fazit, dass es an allen Ecken und Enden, bei den Unternehmen und in der Politik, noch viel zu tun gibt, passte der Beitrag eines Spediteurs, der auf Flexibilität, Fairness und Eigeninitiative verwies. In seinem Betrieb gebe es keine Probleme und würden die Fachkräfte aus den Reihen der eigenen Azubis generiert. Entscheidend sei in Personalfragen aber ein ausreichender Lohn: „Man muss den jungen Leuten eine Perspektive bieten.“

Uwe Steimeyer

Der 1. Vorsitzende des VLSp, Paul-Jörg Wildförster begrüßte die Gäste.
Der Hamburger Personaldienstleister Volker Seubert.
Der Impulsvortrag zeigte einige innovative Beispiele der Personalakquise.
Die „Schiffergesellschaft“ bietet alljährlicher ein stimmungsvolles Ambiente.